Venedig besitzt mit dem Museo Navale ein großartiges Marinemuseum, besonders die historischen Schiffsmodelle sind einsame Spitzenqualität. Da ja die österreichische Marine aus der venezianischen Marine hervorging (die meisten der ersten Schiffe der kuk Marine wurden in der Werft im Arsenal gebaut, so lief z.B. die weltberühmte weltumsegelnde Expeditions-Fregatte "Novara", begonnen 1843 als venezianische "Minerva", 1850 von Stapel).
Nach den revolutionären Ereignissen in Venedig zählte die kuk Flotte an dienstfähigen Einheiten : 3 Fregatten, 6 Korvetten, 7 Briggs, 3 Goeletten, 2 Kriegsdampfer, 31 Penichen, 19 Kanonierschaluppen, 3 Trabakel,
sowie die Lagunenfahrzeuge : 2 Prähme, 4 Pontons, 1 Haubizenschaluppe, 63 Pirogen, 1 Lagunendampfer und einige Penichen. Im Bau befanden sich 1 Fregatte und 2 Goeletten.
Dies ergab eine Gesammtsumme von 157 Schiffen mit einem Personalstand von 5000 Mann. Der Militärkommandant von Triest, FZM. Franz Graf Gyulay, übernahm unverzüglich den Oberbefehl über die Marine und rief alle Einheiten, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Levante, in anderen Teilen des Mittelmeers und an der eigenen Küste befanden, in die Heimat zurück. Schließlich unterstanden ihm 3 Fregatten, 2 Korvetten, 4 Briggs, 2 Transportbriggs, 2 Goeletten, 1 Kriegsdampfer, 27 Penichen, 5 Kanonenboote und 12 Trabekel, insgesamt 14 größere Schiffe und 44 kleinere Fahrzeuge. Der Personenstand war auf 72 Offiziere und 665 Mann geschrumpft.
Am 22. März hatten sardinische Truppen die Grenzen der Lombardei überschritten, am gleichen Tag, an dem in Venedig die Republik ausgerufen wurde. Einen Tag später mußte sich der Gouverneur der Lombardei und Oberbefehlshaber der österr. Streitkräfte in Italien, Graf Radetzky, aus dem aufrührerischen Mailand in das Festungsviereck Verona-Legnano-Mantua-Peschiera zurückziehen.
Während dieser Wochen sammelten sich die treu gebliebenen Schiffe und Marineangehörigen vorwiegend in Triest, aber auch in den Häfen von Pola und Fiume. Das Marineoberkommando amtierte vom 23. April an mit seiner früheren Organisation in Triest.
Der schwächste Punkt in diesem Verwaltungsgefüge war die Flotte, die mit ihren langsam veraltenden Schiffen und ihrer zahlen- wie ausbildungsmäßig unzulänglichen Bemannungen nicht als vollwertig gelten durfte.
Dies zeigte sich im besonderen Maße, als ein sardinisch-venezianisch-neapolitanisches Geschwader unter Konteradmiral Battista Conte Albini am 22. Mai 1848 vor Triest erschien. Als der italienische Admiral von einem Abgesandten gefragt wurde, warum er in österreichische Gewässer gesegelt sei, antwortete er : "Um zu kämpfen".
Unter den gegebenen Verhältnissen blieb dem k.k. Kriegsschiffen nichts anderes übrig, als sich durch gemietete Lloyddampfer aus den seewärtigen Stellungen nach Triest schleppen zu lassen. Einen Angriff auf diesen Hafen konnte Albini jedoch nicht wagen, da Triest zum deutschen Bundesgebiet zählte, dessen Vertreter gedroht hatten, bei einem wtwaigen Vorgehen des italienischen Admirals gegen die Stadt an Sardinien den Krieg zu erklären.
Tegetthoff äußerte sich brieflich an seine Eltern : "daß die jetzige Affairen eine Lektion für Österreich gewesen sein mögen, aus welchen es lernen kann, wie notwendig unserem Staate eine Kriegsmarine ist und daß uns eine brillante Zukunft erwartet".
Die brillante Vergangenheit der venezianischen Flotte ist im Museo Navale im Arsenal zu besichtigen, vor dessen Eingang die Anker der "Viribus Unitis" und der "Tegetthoff" stehen. Im Obergeschoß ist das Heckteil mit Namenszug des Küstenverteidigers "Wien" zu besichtigen, an den Wänden hängen die abgeschnittenen Bugteile österreichischer Flugboote. Auch ein paar Seitenruder von österreichischen Apparaten sind ausgestellt.
Ansonst zeigt das Museum die navale Geschichte von Venedig in außergewöhnlich schön gefertigten Modellen, von der Entstehung Venedigs bis zum 20 Jh. Wundervoll geschnitzte Seitenteile und Bordwände von Galeeren und Gondeln werden gezeigt, Ruderbarken im M 1:1 und als Großmodelle übermitteln die Pracht der venezianischen Schiffahrt. Ein Blickpunkt ist naturgemäß die gewaltige Galeerenschlacht der heiligen Liga gegen die Osmanen bei Lepanto, der umfangreiches Ausstellungsmaterial zugeordnet ist.
Erstaunlich ist, daß auch die Pläne des Admiralschiffes "Ré d´Italia", versenkt 1866 vom "Erzherzog Ferdinand Max" in der Seeschlacht von Lissa, gezeigt werden. Auch wird der Stapellauf des letzten kleinen Kreuzers im Arsenal dokumentiert, der aus Prestigegründen im Arsenale auf Stapel gelegt worden war, denn die Werft war im 20. Jh. nicht mehr zeitgemäß.

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